Anna Karenina

Untertitel: Drama in 6 Bildern nach Tolstois Roman
Sendefolge:

Autor/Autorin: Lew Nikolajewitsch Tolstoi
Bearbeitung: Edmond Guiraud

Regie:
Regieassistenz:

Darsteller: Isolde Kasper
Mahr
Paul Pranger
Eugen Preiß
Otto Soltau
Woeller
Else Wohlgemuth
Musik:
AusfĂŒhrende (TĂ€tigkeit):
Tontechnik:

Erstsendung: 1937-03-04
Sendezeit: 20:00-22:25
Wiederholung:
Sendeanstalt: RAVAG I (bis 1938)
Abteilung:
Inhalt:

WDR-Programmheft: "Alle glĂŒcklichen Familien gleichen einander, jede unglĂŒckliche Familie ist auf ihre besondere Art unglĂŒcklich", lautet der erste Satz in Tolstois berĂŒhmtem Roman. Zu Beginn der Juni 1870 spielenden, spannungsgeladenen Handlung fĂŒhrt die der russischen Oberschicht angehörende Familie Karenin ein geordnetes, zufriedenes Leben. Die Katastrophe bahnt sich an, als die schöne, warmherzige Anna Karenina, die ihren zwanzig Jahre Ă€lteren Mann achtet und ihren kleinen Sohn anbetet, dem mĂ€nnlich kraftvollen Offizier Graf Vronskij leidenschaftlich verfĂ€llt. Zwischen der ersten, schicksalhaften Begegnung auf einem Moskauer Bahnhof und Annas Selbstmord unter den RĂ€dern eines Eisenbahnwagens liegen die Stationen ihres durch tragische Verstrickung heraufbeschworenen Leidensweges. Das VerhĂ€ngnis nimmt seinen Lauf, als Anna, die sich in ihrem unbezĂ€hmbaren Drang nach GlĂŒck fĂŒr den Geliebten entschieden und Mann und Kind verlassen hat, erkennt, daß die Gesellschaft in ihrer Liebe nur den Fehltritt sieht und sie das Los einer Ausgestoßenen auf sich nehmen muß. Sie klammert sich nun an ihre Liebe, der sie alles geopfert hat und die sie um jeden Preis bewahren will. Dieser Kampf um die letztlich absolute Inbesitznahme des Geliebten fĂŒhrt zwischen ihnen zur Entfremdung, die nach einer Phase erbitterter Eifersuchts- und HaßausbrĂŒche in Hoffnungslosigkeit mĂŒndet. Anna findet aus dem GefĂ€ngnis ihrer seelischen Qualen nicht mehr heraus.
Die GroßstĂ€dte Moskau und Petersburg mit ihren AdelspalĂ€sten, BĂ€llen und Salons, ihren Offiziersclubs und Theatern bilden ebenso die SchauplĂ€tze wie die GĂŒter der lĂ€ndlichen Aristokratie, Mit pessimistischem Scharfblick hat Tolstoi das BrĂŒchige der kulturellen und moralischen Ordnung einer ganzen Gesellschaft festgehalten, StĂ€ndig wechselt der Autor den Blickpunkt, von dem aus er seine Gestalten sieht: aus der Distanz, einkesselnd, hautnah. Wen er eben noch bei komischen Manifestationen ertappt, zeigt er darauf von seiner erhabenen Seite, um ihn dann in einer Gruppenaufnahme klĂ€glich verschwinden zu lassen. Eine der großen Liebesgeschichten der Weltliteratur und zugleich ein episches KolossalgemĂ€lde des zaristischen Rußlands von nie mehr erreichter Eindringlichkeit.
Die Rache ist mein, ich will vergelten." Diesen Bibelspruch hat Tolstoi seinem Roman, einem der grĂ¶ĂŸten Liebesgeschichten der Weltliteratur, vorangestellt. Aber das heißt nicht, die Gesellschaft habe seine Heldin zurecht wegen ihres Ehebruchs bestraft. FĂŒr den Autor, den moralische Fragen tief bewegten, hat sich Anna Karenina in einem höheren Sinn versĂŒndigt. Das moralische Problem ist nicht ihre Liebe zu einem anderen Mann, sondern daß diese Liebe rein sexueller Natur ist. Tolstoi war der Ansicht, daß eine Liebesbeziehung nur wahr ist, wenn sie außer auf sinnlichen Freuden auch auf Achtung, Verantwortlichkeit, ZĂ€rtlichkeit und Aufrichtigkeit gegrĂŒndet ist. Dieses Ideal wird von zwei anderen Hauptfiguren, Levin und Kitty, verkörpert. Im Gegensatz zu Annas und Vronskijs Verbindung basiert ihre Ehe auf christlich-spirituellen Vorstellungen. Ihr Leben ist zwar prosaischer und ruhiger, aber voll Harmonie. Wieder anders geht es in der Familie von Annas Bruder Stiva zu. Die Geschichte des Ehepaars Oblonskij spiegelt die Problematik der beiden HaupterzĂ€hlstrĂ€nge auf der alltĂ€glichen Ebene wider: Annas SchwĂ€gerin Dolly vergibt ihrem notorisch untreuen Mann um ihrer fĂŒnf Kinder willen und weil sie ihn liebt. FĂŒr Tolstoi war ein Ehepaar mit Kindern durch ein göttliches Gesetz fĂŒr immer aneinander gebunden.


WeiterfĂŒhrende Angaben:  
interne Quellen:  
externe Quellen:
Radioprogramm aus dem Bestand der Österreichischen Nationalbibliothek, Neue Freie Presse, 04.03.1937, S. 18 
Radioprogramm aus dem Bestand der Österreichischen Nationalbibliothek, Neue Freie Presse, 04.03.1937, S. 19  
Bemerkungen: Aufkleber am Cover (in blau)
Archivstatus: Inventarnr.: 001_1016, Umfang (Seiten Scans): 117
Patenschaft:  


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